Die Arbeitssuche und das Birnenpflücken

Da nach den Blue Mountains unsere Jobsuche auf dem Plan stand, überlegten wir uns zurück in Sydney, wohin wir fahren wollten. Nach einem kurzen Blick in das „Harvest Trail“-Buch entschieden wir dann einfach Richtung Westen aufzubrechen, da dort auf quasi einer Strecke mehrere der bekannten Arbeiterstädte aufzufinden sind. So erstellten wir kurzerhand eine ca 1700km lange Route, auf der wir alle Städte, in denen gerade eine Saison begann, abklappern wollten. Natürlich hofften wir, dass wir diese Strecke nicht bis zum Ende durchfahren müssen. Keine 5 Minuten nach Beginn der Planung waren wir dann auch schon wieder auf der Straße unterwegs. Es war zwar komisch unserer „langen“ Heimat lebewohl zu sagen, jedoch freuten wir uns gleichzeitig darüber, wieder ein bisschen Land zu sehen.

Eine kurze Backpacker-Dusche

Backpackerdusche

Unsere Jobsuche gestaltete sich so, dass wir in den Städten Orange, Forbes, Griffith, Leeton und Cobram jeweils 1-2 Tage damit verbrachten die einheimischen Farms anzufahren und deren Besitzer nach einem Job für uns vier zu fragen. Leider bewies sich, was uns einige Leute bereits erzählt hatten: Die Saison ist dieses Jahr sehr schlecht und dadurch gibt es wenige/keine Jobs zu vergeben. Wir erfuhren allerdings auch von vielen, dass Deutsche hier sehr gerne gesehen werden (freundlich/sprechen gut Englisch/pünktlich) und unseren französischen Nachbarn hingegen ungern ein Job angeboten wird, da viele von ihnen ein wirklich sehr schlechtes Englisch sprechen (wie wir bemerkten). Auch wenn wir viele Absagen bekamen, bzw. nicht angerufen wurden, ließen wir uns nicht unterkriegen und suchten mit ungedämpfter Arbeitslust weiter. Nachdem wir in Cobram für einen Tag bei 48°C zur Probe gearbeitet hatten, entschlossen wir uns, noch weiter zu suchen, da der Job weder gut bezahlt, noch ganz legal angemeldet war. Schließlich kamen wir in eine der größeren Städte des Umkreises: Shepparton. In Shepparton machte uns eine nette Dame in der Visitor Information darauf aufmerksam, dass man sich hier am besten beim Harvest Office meldet, um an Arbeit zu kommen. So fuhren wir direkt am Freitag nachmittag noch dort hin um uns vollkommen motiviert in deren Liste einzutragen. Die offensichtlich verbeamtete Angestellte riet uns am Montagmorgen wiederzukommen, da sie dort dann eine neue Liste anfangen würden, für die beginnende Saison. Allerdings riet sie uns auch pünktlich zu erscheinen, da viele Backpacker erwartet werden. Schnell waren die Öffnungszeiten herausgefunden und wir beschlossen: 8.30 Uhr öffnet das Office – keiner kommt wohl vor 6!

Unser erstes Buschfeuer

Buschfeuer

So starteten wir am Montagmorgen um 5 Uhr in den Tag um die Ersten zu sein, denn der frühe Vogel bekommt in diesem Falle wahrscheinlich einen Job! Wir verschoben das Frühstück also direkt vor die Tür des Büros und schauten bei einem heißen Kaffe ein paar Serien, lasen unsere Bücher und entspannten ein wenig. Auch wenn die Ersten nach uns erst um 6.30 Uhr ankamen, merkte man, dass sich die Schlange bis 8.30 Uhr ordentlich füllte. Es standen dann bei Türöffnung ca 30-40 Backpacker vor diesem Haus und warteten darauf sich in diese Liste einzutragen. Nachdem wir unsere Daten abgegeben hatten (natürlich hatten wir Erfahrung im Picken – wir hatten ja bereits einen Tag gearbeitet!) machten wir uns euphorisch auf den Weg in die Bibliothek um dort den Rest des Tages zu verbringen. Keiner konnte mehr das Klingeln des Telefons abwarten. Leider blieb dies allerdings für den Montag aus, da, wie wir später erfuhren, an diesem einen Tag über 180 weitere Backpacker sich in die Anrufsliste eingetragen hatten.

Dienstag (21.01.) wachten wir in unseren Zelten auf und machten uns so langsam fertig für den kommenden Tag, als plötzlich ein Anruf aus dem Harvest Office alle in Aufregung versetzte. Es stand also fest: Wir haben einen Job! Sogleich mussten wir also aufbrechen um uns zum Eintragen unserer persönlichen Daten wieder bei den gestressten Beamten einzufinden. Nachdem alle Reisepässe beisammen und alles ausgefüllt war, gab man uns dann einige Informationen über den Farmer, dessen Wohnort/unseren Arbeitsplatz und die Bezahlung.

Am Mittwoch (22.01) wurden wir dann von unserem Farmer kontaktiert, der uns schonmal kennenlernen und uns die Farm zeigen wollte. So machten wir uns umgehend auf den Weg nach Lancaster, wo wir den Farmer treffen sollten. Ein 150 Centimeter kleiner Mann mit hoher, piepsiger Stimme nahm uns in Empfang und stellte sich mit dem Namen Larry vor.
Anschließend zeigte er uns seine erste Farm, unseren baldigen Arbeitsplatz. Arbeitsstart sei Sonntag und es wird jeden Tag gearbeitet teilte Larry uns mit. Die verbleibenden Tage verbrachten wir in Shepparton, deckten uns mit Arbeitskleidung ein und schlugen einige Zeit in der Bibliothek tot.

Am Samstag (25.01) fuhren wir in das kleine Örtchen Merrigum, in welchem die Farm lag. Nach kurzer Erkundung überlegten wir uns dann, ob eine Wohnung für diesen Zeitraum zu mieten eventuell günstiger wäre. Uns wurde aber schnell bewusst wie unerfahren wir in diesem Gebiet waren, als mehrere Makler uns bestätigten, dass man Wohnungen hier nur für mehrere Monate mieten könne. So mussten wir doch auf den Campingplatz in Merrigum zurückgreifen, was sich im Nachhinein als eine sehr gute Idee herausstellte. Denn dort trafen wir auf viele unserer zukünftigen Arbeitskollegen. Direkt lernten wir so also Kevin und Lukas kennen, zwei deutsche Backpacker, die mit uns am Sonntag starten sollten.

Am Sonntag (26.01) sollte unser Job dann losgehen. Pünktlich um 6 Uhr morgens standen wir arbeitsbereit auf der Farm.Wir bekamen Picking-Bags und Leitern und schon gings los. Larry fuhr uns zu unserer Baumreihe und wir begannen zu picken. Um 17uhr war dann unser erster Arbeitstag vorbei. Nach insgesamt 14 Bins (Körben) voller Birnen freuten wir uns völlig erschöpft auf unseren wohlverdienten Feierabend.

Arbeitsanfang immer bei Morgengrauen..

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Die Birnen-Allee

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Die nächsten Tage verbrachten wir mit dem Birnenpflücken. Dies war bei den zwischenzeitlich bis zu 48°C anstrengender als gedacht. Die Abende verbrachten wir dann mit Kevin und Lukas beim Tischtennis spielen und dem Dinieren in feinstem Stil. Hierbei kamen, anstatt der gewöhnlichen Nudeln, auch mal andere Gerichte, wie zB. gebratene Auberginen mit Reis, auf den Tisch. Wir hatten dabei viel Spaß und erzählten uns gegenseitig über unsere bisherige Reise.

Männer bei der Arbeit

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bei 48°C war es auch den Birnen zu warm

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Dinieren mit den Boys

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Nach 9 Tagen endete unsere Arbeit unerwartet, da alle Birnen gepflückt waren. So mussten wir unsere Pläne ein wenig ändern. Julius und Ronny beschlossen einige Tage eher ins Outback zu fahren. Da wir (André & Simon) das Outback schon gesehen hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als einen Monat hier zu überbrücken, da wir planten Neuseeland wieder gemeinsam zu bereisen. Dies hätte sich allerdings schwierig gestaltet, so ganz ohne Auto. Glücklicherweise überlegten sich Kevin und Lukas, mit den anderen beiden ins Outback zu reisen. Sie schlugen uns vor, dass wir ihren Wagen ja von Merrigum nach Melbourne bringen könnten, während sie in Ronnys und Julius Auto mitfahren. Für uns war das die beste Lösung die wir uns vorstellen konnten, da wir so nach einem Job suchen und gleichzeitig die Strecke nach Melbourne bewältigen können.

So kam es am Samtag (8.2.), nach einer kleinen Abschiedsfeier am Abend zuvor, zu einem schweren Abschied. Kevin und Lukas sollten wir voererst nicht mehr wiedersehen und von Julius und Ronny mussten wir uns schwerenherzens für einen Monat trennen. Wir schmiedeten allerdings schon vorher Pläne uns eventuell auf einem berühmten deutschen Fest wieder zu vereinen.

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Ein Gedanke zu „Die Arbeitssuche und das Birnenpflücken

  1. silke ahlers

    Hi Simon es war sehr schön mit dir gesprochen zuhaben u. eure texte zu lesen!!!!!!ich wünsche euch von herzen weitere tolle tage und Gottes Segen!!!!!!!!!!Alles liebe deine zitronenpresse

    Antwort

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