Rund um die blauen Berge

Den ersten Tag des neuen Jahres verarbeiteten wir die Eindrücke der Silvesternacht, spielten Ball, und erholten uns bei strahlend blauem Himmel „zuhause“ in unserem Stadtpark. Zwischendurch lernten wir George, einen in Sydney lebenden Herrn, kennen. Dieser führt täglich im Park seine Hunde aus. Er bot uns an, gegen ein wenig Geld, seinen Garten und sein Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Auch wenn wir im ersten Moment etwas skeptisch waren, dachten wir uns, dass ein wenig mehr Geld in der Tasche nicht schaden könnte und sagten zu.

Am nächsten Morgen standen wir sehr früh auf und machten uns ein ausgiebiges Frühstück um uns auf den geplanten ersten Arbeitstag vorzubereiten. Doch George erschien später als geplant, weil die von ihm bestellten Container zu spät ankamen. Wir fuhren trotzdem zu seiner Wohnung um uns darauf vorzubereiten, was uns erwartet. Die „Wohnung“ war den Erwartungen entsprechend total vollgerümpelt: Überall standen kaputte Möbel, Elektrogeräte, Essensreste und Müll. Dies erinnerte uns an die Worte unserer Mütter, mit denen sie gerne unsere Zimmer beschrieben. Anschließend lud er uns auf ein paar Bier in eine Bar ein. Wir unterhielten uns dort über alles mögliche, unter anderem über unsere Reise, sein Leben und seltsame Stammgäste der Bar. Bei dem dritten Bier entschieden wir uns, den angebrochenen Tag (es war erst 11:30 Uhr) noch zu nutzen und eine Stadttour zu machen. George bot uns netterweise an, uns bis zur Haltestelle in der Innenstadt zu bringen. Vorher machten wir jedoch noch an seinem Haus halt, wo er uns sogar noch etwas zu essen zubereitete. In der Stadt angekommen, mussten wir feststellen, dass die City-Explorer-Tour um einiges teurer war als gedacht, weshalb wir uns entschieden, unser altes Muster beizubehalten und den FreeShuttle-Bus bis zum Circular Quay am Hafen zu nehmen. Von dort hatten wir einen tollen Ausblick auf die Harbour Bridge und waren nicht weit vom Opera House entfernt. Deswegen machten wir uns auf den kurzen Fußmarsch, um uns dieses aus der Nähe anzuschauen. Dort angekommen erkannten wir erst, wie fein gearbeitet die kleinen Fliesen auf dem Dach des Hauses die Struktur einer Muschelschale widerspiegeln. Auch an sich war es ein Erlebnis einmal vor dem so bekannten Opernhaus zu stehen und es quasi live und in Farbe zu betrachten.

Wir vor dem Opera House

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Am nächsten Tag (Freitag, 03.01.) begann dann endlich unser erster Arbeitstag in Sydney. Nach kurzen Anweisungen begannen wir, den Garten auszuräumen. Zwei Stunden lang schmissen wir von Paletten bis Durchlauferhitzer alles in einen riesigen Container. Nach abschließendem Harken und Fegen sah es auch schon wieder annehmbar aus. Nach einer kleinen und sehr leckeren Mahlzeit drückte er jedem von uns 50 Dollar in die Hand und empfahl uns den Maroubra Beach. Diesen wollten wir aber erst am nächsten Tag besuchen. Die zweite Hälfte des Tages verbrachten wir mit Eis essen, Blog schreiben und Film gucken.

Den Samstagmorgen (04.01.) warteten wir gespannt auf unseren nächsten Arbeitstag vor Georges Haus. Leider war er nicht zuhause und auch über sein Handy nicht zu erreichen. Dies führte dazu, dass wir nach 2 Stunden aufgaben und uns den vorgeschlagenen Strand angucken wollten. Um uns vorher noch ordentlich zu stärken machten wir uns kurzerhand eine Backpacker-Bolognese (Nudeln mit Fertigtomatensauce und Hackfleisch). So fuhren wir Richtung Maroubra Beach und verbrachten dort eine Stunde in den heftigen Wellen des Badestrandes. Leider waren diese Wellen anscheinend stärker als die Lifeguards handhaben konnten, so wurde der Strand geschlossen und wir mussten zurück zu unserem Stammplatz im Jubilee Park.

Da wir einen so großen Gefallen an den Stränden Sydneys gefunden hatten, beschlossen wir am nächsten Tag (05.01.) einen Strandtag einzuschieben: Wir fuhren an den bekanntesten Strand Sydneys, den Bondi Beach. Dieser war allerdings dermaßen überfüllt, dass wir an Ort und Stelle umdrehten und zum Auto zurückkehrten, da wir noch den vom Namen ansprechenden Strand „Manly Beach“ im Hinterkopf hatten. Am männlichen Strand herrschten, mit sehr hohen Wellen und höchsten Windgeschwindigkeiten Bedingungen, denen nur die widerstandsfähigsten Männer standhalten können. Leider waren Andere den Verhältnissen nicht gewachsen und nach einer halben Stunde sahen sich die Lifeguards gezwungen den Strand zu schließen. Der wie gewohnt guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch, denn auch wenn wir anschließend zu unserem Schlafplatz zurückkehrten und der Tag relativ unspektakulär endete, finden wir immer einen Grund gute Laune zu haben.

Auch am 6. Tage des neuen Jahres setzten wir unsere Strandtour fort und bestritten einen Teil des Bondi to Coogee Walks. Sehr abwechslungsreich führte uns dieser über Stock, Stein, Wiese und Sand die Küste entlang. Jede Bucht unterschied sich von der vorherigen, so war die eine komplett aus Stein und die nächste mit einem Sandstrand versehen. Unser absolutes Highlight stellte eine Art natürlicher Whirlpool dar. Die Wellen, welche nicht von schlechten Eltern waren, schlugen mit voller Wucht gegen die hufeisenförmig angeordneten Felsen, sodass sich das Becken mit Schaum füllte. Es machte sehr viel Spaß gegen die starke Strömung anzukämpfen und danach den Anblick der Bucht in vollen Zügen zu genießen. Zum Pechvogel des Tages wurde Ronny auserkoren, denn zu seinem Unglück wurde er von einer starken Welle überrascht die ihn gegen einen der Felsen prallen ließ. Dabei verstauchte er sich den Fuß und war für die nächsten Tage gehandicapt. Deswegen brauchten wir für den Rückweg einiges länger, sodass wir uns erst am frühen Abend nach Watsons Bay begaben. An dieser Bucht gab es den spektakulärsten Ausblick der Stadt zu sehen. Vom Strand aus konnte man hinter den vielen Booten die Silhouetten der Hochhäuser Sydneys betrachten. Gleichzeitig spiegelte sich die untergehende Sonne im Wasser und sorgte für eine Aussicht, die kaum in Worte zu fassen ist. Völlig aus dem Häuschen entschlossen wir kurzerhand, den Rest des Abends dort zu verbringen.

Ein Teil des Walks entlang der Klippen

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Eine der Strandbuchten

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Die Silhouette der Skyline

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Am 8.1. vollzogen wir vorübergehend einen Tapetenwechsel, und fuhren vormittags weg von Großstadt und Strand in die Blue Mountains. Nach ca. 2 Stunden erreichten wir unseren Zielort Katoomba. Zunächst machten wir am schwer zu übersehenden Hauptaussichtspunkt halt, von dem man zum einen die Three Sisters – drei im Laufe der Zeit entstandenen Sandsteinsäulen – sehr gut erkennen konnte und der zum anderen eine phänomenale Aussicht auf die Weiten der Wälder des Nationalparks bot. Nach einem kurzen Aufenthalt im nahe gelegenen Visitor Centre begannen wir mit der Erkundung der Umgebung.und gingen die ersten 100 Treppenstufen des Giant Stairway herunter. Hatte man jene bewältigt, konnte man über eine Brücke über dem Abgrund direkt auf eine der Three Sisters gehen. Im Anschluss folgten ein paar kleine Wartungsarbeiten an unserem geliebten Auto, welche ein wenig Zeit in Anspruch nahmen. Danach fuhren wir zu den Leura Cascades. Letztere sind sehr kleine idyllische Wasserfälle, die über mehrere Stationen verteilt sind und jedesmal ein klein wenig anders aussehen. Unser letztes Etappenziel waren die Wentworth Falls. Diese sind um ein vielfaches größer als die vorherigen Kaskaden. Vom Parkplatz brachen wir auf zum Lookout, der einen guten Blick auf die Wasserfälle aus der Ferne ermöglichte. Da wir natürlich immer besonderen Wert auf den Komfort der Verletzten legen, durfte Ronny auf einem dünnen Baumstamm dorthin getragen werden. Den eigentlichen Trampelpfad zu den Wasserfällen konnte er aber nicht zurücklegen, also legten wir anderen Drei den sonst 60 Minuten Weg in absoluter Rekordzeit von 20 Minuten (inklusive aller Lookouts und Zwischenstopps) fast im Sprint zurück. Es mag seltsam klingen, aber trotz der großartigen Sehenswürdigkeiten bleibt vor allem die Fahrt zu unserem Campingspot in Erinnerung. Die Mitarbeiterin des Visitor Centers teilte uns mit, dass sie diesen Ort vielen Anderen auch empfohlen habe und wir auf viele Leute treffen würden. Also folgten wir bei völliger Dunkelheit, Regen und Nebel den Angaben unseres Navigationsgeräts. Doch schon nach einigen hundert Metern bogen wir auf eine abgelegene Straße ab, der wir 20km über Asphalt und Dirtroad folgten ohne auch nur ein anderes Auto zu treffen. Speziell als wir Privatgrundstücke durchqueren mussten, deren Zugang erst nach dem Öffnen eines Tores möglich war, zweifelten wir daran, dass wir die Koordinaten richtig eingegeben hatten. Nach einer gefühlten Ewigkeit endete unsere Route weit weg von jeglicher Art von Zivilisation mitten auf einer grünen Wiese. Wir vermuteten tatsächlich richtig gefahren zu sein und machten mitten im Gras halt. Seltsamerweise waren anscheinend trotz großer Werbung im Visitor Center nur vier Personen auf dem ganzen Areal – Wir.

Die drei Schwestern

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Verschnaufspause an der ersten Sister

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Ein Teil des Premium-Health-Care Paketes

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Selbst am nächsten Morgen hatten wir sämtliche Fläche für uns alleine. An diesem Tage stand unter anderem der gesamte Giant Stairway auf dem Programm. Mit Wanderschuhen bzw. Mülltüte statt Schuh am Fuß und Stock in der Hand (einmal mehr aus unserem Premium Healthcare Paket für Ronny), stiegen wir an die 1.000 Treppenstufen herunter. Dank des eigentlich eher schlechten Wetters, es war bewölkt und diesig, trafen wir auf ein eigenartiges Bild als wir wieder auf den ersten Fels der Three Sisters trafen. Denn links von diesem bot sich eine weitreichende Sicht auf das Tal, rechts schien es allerdings als seien wir am Ende der Welt angelangt, denn man konnte gefühlt keine zehn Meter weit sehen, da der Nebel dort so dicht war. Unten angekommen absolvierten wir nach kurzer Pause in gut einer Stunde den Federal Pass quer durch den Wald zur Haltestelle des steilsten Personenzuges der Welt. In der Tat stellte sich die Fahrt als ziemlich abgefahren heraus, denn bei einer Steigung von bis zu ca. 60 Grad, vorausgesetzt man hatte die verstellbaren Sitze möglichst steil eingestellt, zog uns die Bahn den Berg wieder hinauf zu unserem Startpunkt. Wir beschlossen noch eine letzte Nacht in Sydney auf unserem „Grundstück“ im Federal Park zu schlafen um am nächsten Tag in Ruhe zu überlegen wohin die Reise als nächstes geht.

Das Ende der Welt (rechts)

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Der Startpunkt des Zuges // In der Ferne die Three Sisters

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Unser Blick ins Tal

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Das Abendessen gefangen

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